2014-08-20T07:39:24+00:00 Grundlagen

KNX Verkabelung im Neubau | Fertig, oder mach ich später?

Hast du dich erst einmal für das Bussystem entschieden, geht es an die KNX Verkabelung deines Neubaus. "Nicht mein Problem, macht der Elektriker" werden jetzt einige sagen. Vielleicht, aber möchtest du nicht wissen, warum er das so macht?
Prinzipiell gibt es nämlich zwei Arten an die Sache ran zu gehen.

  1. Die Anlage wird komplett verlegt, alles verkabelt und programmiert. Dann ändert sich wahrscheinlich nie wieder etwas an der "Hardware".
  2. Spezielle Funktionen werden an den Bus angeschlossen. Der Rest wird für eine KNX Verkabelung vorbereitet. So ist eine Erweiterung später leicht möglich, erfordert aber wahrscheinlich neue Geräte.

Für welchen Weg du dich entscheidest, hängt hauptsächlich davon ab, wie dein Budget aussieht und was du selber machen möchtest.

Version 1. Die "alles ist fertig" KNX Verkabelung

KNX Verkabelung, ein Schaltaktor von ABB für 12 Verbraucher.

Ein Schaltaktor von ABB. 12 Kanäle für das Schalten von 12 unabhängigen Verbrauchern.

Diese Art der KNX Verkabelung ist schon lange der Standard der Haus Automatisierung. Hier werden die Aktoren zentral im Schaltschrank angebracht. Von diesen gehen einzelne Stromleitungen zu jeder Steckdose und zu jeder Lichtquelle. Da alle Steckdosen zentral im Schaltschrank zusammenlaufen, nennt man diese Verkabelung eine "Sternverkabelung". Optimaler weise gibt es so viele Kanäle wie Dosen im Haus. So kann jede Dose einzeln geschaltet werden. Für eine solche Verkabelung eignen sich natürlich Schaltaktoren mit vielen Kanälen. Bei nachträglichen Änderungen muss nur die Anlage umprogrammiert werden.

Natürlich wird nicht von jeder Dose eine eigene Leitung verlegt. Steckdosen die in Gruppen zusammengefasst sind, werden durch eine Leitung mit entsprechend vielen Adern versorgt. Bei dieser Lösung sollte unbedingt bedacht werden, ob wirklich alle Dosen einen Kanal brauchen. Mit jedem Kanal, der eingespart wird, werden auch die Kosten der Anlage gesenkt. Dosen die nicht geschaltet werden müssen, werden direkt an die Sicherung, an dem Schaltaktor vorbei, geklemmt. Sollte Später so eine Dose an den Bus angeschlossen werden, so muss nur die Verkabelung im Schaltschrank entsprechend geändert werden.

Die "alles ist fertig" KNX Verkabelung ist für Selbermacher nicht so einfach.  Klar, kann man das grüne KNX Buskabel durch das Haus an die entsprechenden Stellen selber ziehen. Legt der Elektriker aber so viele Stromleitungen, kann er auch gleich die KNX Verkabelung machen. Einige werden sich an die komplette Verkabelung des Hauses wagen. Also Elektrik und KNX. Wer sich das zutraut, Respekt. Nicht unbedingt etwas für Anfänger, die Ihre Anlage nach und nach erweitern möchten.

Vorteile

  • Keine nachträglichen Kosten für Hardware.
  • Eine Funktionsänderung (Die Lampe soll ab heute in der linken Ecke stehen) ist lediglich eine neue Programmierung.
  • Preis pro Kanal ist niedrig.
  • Relativ niedriger Aufwand in der KNX Verkabelung. Das Kabel wird nur zu den Sensoren gezogen.

Nachteile

  • Hoher Aufwand in der Verkabelung der Elektrik.
  • Hoher Anschaffungspreis durch die vielen Schaltaktoren.
  • Spätere Erweiterungen nicht so elegant möglich. Zusätzliche spätere Dosen lassen sich schwer integrieren.
  • Im Schaltschrank kommen sehr viele Leitungen an, was die Verkabelung des Schranks nicht gerade vereinfacht.

Variante 2: Die "mach ich alles später" KNX Verkabelung

KNX Verkabelung, ein 1-fach Schaltaktor von Jung

Ein Unterputz Schaltaktor von Jung. Schaltet einen Kanal und hat hinter der Steckdose Platz.


Als Alternative könnten die Aktoren dezentral, also verteilt, dort angebracht werden, wo sie zum Einsatz kommen. Liegt in der Steckdose, die du schalten möchtest ein KNX Datenkabel, kannst du dich dort an den Bus klemmen, wann immer du willst. Nun wäre also die extreme Variante dieser Verkabelung: du lässt den Elektriker seine Arbeit machen und eine konventionelle Elektroinstallation verlegen. Eine Zuleitung pro Zimmer und von dort aus Licht und Steckdosen. Besondere Dosen (Ofen, Spülmaschine) kriegen eine separate Leitung. Es gibt jedoch zwei Einschränkungen:

  1. Alle Unterputzdosen werden 63 mm tief.
  2. Zu jeder Dose wird ein KNX Datenkabel gezogen. Das kannst du selber machen.

Der Zusatzaufwand hält sich in Grenzen und dir bleiben alle Möglichkeiten offen. Willst du später eine Steckdose schaltbar machen,  klemmst du einen 1-fach Schaltaktor in der Dose an. Ein KNX Taster an den Bus neben der Tür und alles ist gut. Willst du nachträglich das Licht umbauen, so muss der Lichtschalter gegen einen Taster ersetzt werden. Wenn noch Platz in der Dose ist, prima, kommt der Schaltaktor gleich dahinter. Wenn nicht, muss der Aktor entweder in die Deckenleuchte (ja auch hierher muss die KNX Verkabelung), oder es muss eine zusätzliche Dose gesetzt werden.
Die Anfangsinvestition beträgt 60 Euro für 200 Meter Kabel. Sonst keine zusätzlichen Anfangskosten, der Elektriker macht ja nicht mehr als sonst. Der Hauptvorteil dieser Lösung ist die Flexibilität. Es würde nur keiner nachträglich das Licht umbauen und in jedes Zimmer einen Aktor an die Decke hängen. Zudem kostet der 1-fach Schaltaktor im Bild momentan ca. 100 Euro, der ABB 12-fach Schaltaktor  ca. 400 Euro.

Du lässt also den Elektriker alles konventionell verkabeln, jedoch mit mehr Einschränkungen.

  1. Die Hauptleitung, die ein Zimmer versorgt, wird 7 Adrig verlegt (kostet etwa 3 mal mehr als 3 Adrig).
  2. Die Leitungen zu den Steckdosen innerhalb der Zimmer werden 5 Adrig.
  3. Rollläden werden als Sternverkabelung vom Schaltschrank verlegt.

Bis auf die Mehrkosten für das Material hat der Elektriker nicht wirklich mehr zu tun, als sonst. Nun darfst du entscheiden: Es werden Schalter gekauft und eine konventionelle Elektroinstallation verkabelt oder es werden KNX Taster gekauft und ein Schaltaktor für das Licht.  Die Rollläden würde ich sofort als Bussystem ausführen. Der Preisunterschied ist hier nicht so hoch.

Diese Lösung vereint den Vorteil der Flexibilität  mit dem günstigen Preis pro Kanal. An jedem Ort, an dem Strom anliegt, liegt auch ein Buskabel, du kannst also im Notfall immer noch einen 1-fach Schaltaktor in die Unterputzdose legen. Du hast aber auch 7 Adern in das Zimmer gelegt. Nach Abzug von Erdung und Null bleiben noch 5. Eine Ader um die Dosen mit Dauerstrom zu versorgen, bleiben 4. Eine Ader für das Licht, welches per Schaltaktor aus dem Schaltschrank gesteuert wird, bleiben 3. Du kannst also 3 Dosen individuell in jedem Zimmer schalten. Sei es zum abschalten der Standby Geräte oder zum ansteuern einer Stehlampe. In Räume mit vielen Verbrauchern, Wohnzimmer zum Beispiel, kannst du ja auch 2 Zuleitungen mit je 7 Adern legen.

Der Mittelweg ist für Selbermacher sehr gut geeignet. Vorausgesetzt man traut sich an den Schaltschrank. Hier muss nämlich mal eine Ader auf einen Schaltaktor gelegt werden, wenn eine zusätzliche Dose geschaltet werden soll. Wenn das Licht nachträglich umgebaut werden soll, müssen die Adern im Schaltschrank ebenfalls umgesteckt werden.

Vorteile

  • Geringe Anfangsinvestition, wenn nur die Rollläden an die KNX Verkabelung kommen.
  • Sehr flexibel, überall wo Strom ist, ist auch Bus egal, ob für einen Sensor oder einen Aktor.
  • Gut für Selbermacher mit begrenztem Zeitbudget, man kann Raum für Raum und Bereich für Bereich umbauen

Nachteile

  • Preis pro Kanal ist höher, besonders bei 1-fach Aktoren. Du hast allerdings keine unnützen Kanäle.
  • Aufwand für eine Erweiterung ist höher als bei Variante 1, da vielleicht Adern umgesteckt werden müssen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Beitrag eine Hilfe geben, bei der Wahl der Verkabelung. Natürlich wird der Elektriker auch noch ein Wörtchen mitreden, insbesondere wenn er die komplette Anlage plant. Wenn du noch weitere Argumente für die eine oder andere KNX Verkabelung suchst, schau doch mal im KNX User Forum vorbei, hier und hier wird besonders viel darüber diskutiert. Auf der Seite eib-home.de gibt es auch noch Tipps zu dem Thema. Von mir soll es das erst einmal gewesen sein. In einem, der nächsten Posts, gibt es dann Tipps, wohin man das KNX Buskabel neben den Steckdosen sonst noch legen sollte. Bis dahin: Viel Spaß mit KNX!

Aktualisiert: 20. August 2014

14 Kommentare zu KNX Verkabelung im Neubau | Fertig, oder mach ich später?

  1. says:

    Tolle(r) Artikel – schon einmal herzlichen Dank!

    Ich bin gerade auch wild am Planen und hänge abends in den Foren fest um mir das Thema KNX näher zu bringen, da unser Neubau Anfang 2015 mit KNX sein wird. Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig hinsichtlich der Kabelführung. Die Leerrohre und Leitungen möchte ich gerne selbst installieren, bin mir hinsichtlich einer Lösung noch nicht ganz schlüssig.

    Unser Holzhaus hat eine Installationsebene, welche die Verkabelung schon einmal einfacher macht (=Leerrohre verlegen kostet wenig Arbeitszeit). Die Frage die sich mir nun stellt (und ich bis dato keine richtige Antwort gefunden habe) ist, ob man mit einem Kabelrohr Ring arbeiten kann? Also pro Raum wir ein dickeres Kabelrohr vom Verteiler in den Raum gelegt und läuft in Steckdosenhöhe entlang der Wand. Als Basis würde ich einen Bus einziehen und Einzelader(!) für PE,N,L für die Standard-Steckdosen. Möchte man Steckdosen schaltbar machen, so könnte man a) eine Schaltaktor über Bus und Basisversorgung anbinden, oder b) eine separat L-Einzelander in den Verteiler ziehen und auf den Aktor legen.

    Die Lampen (meist Halogenspots) würde ich ebenfalls über einen Ring versorgen wollen. So wäre eine spätere Umrüstung auf DALI oder andere Segmentierung möglich.

    Rollläden wie beschrieben in Sternform – oder evtl. auch über den Ring der im Raum liegt?

    Wie sind Eure Erfahrungen mit der Leerrohrführung? Es nützt ja nichts, wenn man sich ein schickes Modell überlegt, welches in der Praxis nicht funktioniert, weil sich z.B. die Kabel nicht wie gedacht einziehen lassen oder man gegen irgendwelche Vorschriften verstößt.

    Grüße
    Markus

    • Hallo Markus, danke für deinen Kommentar. Diese Planungen machen wir alle mal durch, deine Idee mit dem Leerrohr ist an sich ja auch nicht neu, nur die Einzeladern irritieren mich ein wenig.
      Leider hast du bei mir, was Leerrohre angeht den falschen erwischt, ich halte da nicht so viel von. Beantworte dir mal folgende Frage: Es ist Ende November und deine Frau kommt mit einem leuchtendem Weihnachtsstern heim. Der kommt in das Fenster im Kinderzimmer, wahrscheinlich im OG, weit weg vom Verteiler. Jetzt hast du natürlich vorgedacht und genau für solche Situationen eine Steckdose in der Nähe des Fensters gesetzt. Diese muss nur noch Zeitabhängig geschaltet werden. Du hast ein Leerrohr gelegt, welches im Verteiler anfängt und irgendwo im Zimmer aufgespalten wurde. Im Leerrohr liegt die Bus Leitung und 3 Adern (einzeln oder nicht ist erstmal egal) Und nun kommt die Frage: Was tust du?
      1. Du schraubst alle Steckdosen die auf dem Weg von der Fensterdose zum Verteiler liegen ab. Natürlich nur die in dem Zimmer, da wo das Leerrohr unterbrochen wurde. Dann fummelst du eine L-Ader von der Quelle bis zum Ziel. Sobald der Weg länger als ein paar Meter betragen wird und vielleicht ein oder zwei 90 Grad Kurven enthält, wird es kompliziert. Das Leerrohr muss natürlich völlig fest verlegt werden, sonst arbeitet es beim Einziehen gegen dich. Außerdem musst du an einigen Dosen vorbei. Egal ob du eine Ader oder eine NYM Leitung einziehen willst, das wird ein größeres Unterfangen, leg schon mal genug Gleitmittel bereit.
      2. Du kaufst für ca. 100 Euro einen 1-fach Schaltaktor und schliesst den an den Bus und die Stromleitung. Dafür musst du nur eine Dose aufmachen und den Aktor direkt an die Kabel klemmen. Zeitaufwand hält sich im Minutenbereich.
      3. Du kaufst für 15 Euro eine Zeituhr im Baumarkt und hast die Anforderungen auch erfüllt.

      Ganz ehrlich? Ich glaub ich würde mich immer für 2 entscheiden, manchmal für 3 und niemals für 1. Eine Leitung in ein Leerrohr ziehen sagt sich ganz einfach, kann allerdings in der wirklichen Welt, ganz anders aussehen.
      Wenn du dich aber immer für 2 entscheidest hast du dir die Arbeit mit den Leerrohren umsonst gemacht. So viel zu Leerrohren.

      Du musst ja nicht jede Steckdose einzeln mit NYM anfahren. Hier ist halt die Planung wichtig. Die Dosen in der Fensternähe würde ich immer vorher schon einzeln aus der Verteilung anfahren. Die anderen müssen halt vorher im einzelnen durchdacht werden. Anstatt des Leerrohres tendiere ich zu zwei mal 5*1,5 pro Zimmer. Eins nach links eins nach rechts. Damit kannst du 6 Dosen schalten und du hast zum anklemmen immer schon die Leitung liegen. Die übrigen Adern werden in den Dosen nicht unterbrochen. Kostet auch nicht viel mehr als die Leerrohre. Damit hast du eine neue Möglichkeit:
      4. Du schraubst die Fensterdose ab, klemmst die an eine freie Ader und lässt den Rest der Ader tot. Im Verteilerkasten wird die entsprechende Ader ebenfalls umgeklemmt, fertig.

      Beim Licht verstehe ich dich nicht ganz, meinst du einen Ring für das ganze Haus? Oder jedes Zimmer einzeln anfahren und dann die Halogenspots im Ring? Genau so mit den Rollläden, was meinst du mit „an den Ring anschliessen“? Dezentrale Aktoren? Also einen Aktor pro Rollladen und diesen mit Strom aus „dem Ring“ versorgen? Gegen diese Lösung spricht für mich der Kosten Nutzen Faktor. Wie im Artikel schon geschrieben, dezentral=teuer da lege ich lieber einige Meter Leitung mehr.

      Ich hoffe ich habe dir ein wenig Entscheidungshilfe geben können. Schreib bitte warum du einzelne Adern verwenden möchtest, aus Platzgründen? Frag mal einen Elektriker, ob das überhaupt erlaubt ist. Ich bin mir nämlich sicher, du brauchst eine bestimmte Isolierschicht zwischen Niedervolt (Bus Leitung) und 230V und diese Schicht hast du nicht wenn du einzelne Adern ziehst.

      Wo baut Ihr denn? Irgendwo in der Nähe?

      Grüße, Damian

      • says:

        Hallo Damian,

        je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird die Geschichte. Die Flexibilität liegt im Bus und nicht im Leerrohr. Da hänge ich gedanklich in der konventionellen Verkabelung fest. Auch von den Kosten her liegen die bei der Verkabelung eher in der Arbeitszeit als im Material (wobei das Leerrohr auch Geld kostet..).
        Wahrscheinlich werde ich Lampen und Rollos sternförmig zum Verteiler ziehen. Die Steckdosen mit 5/7 Adern versorgen. Dann meist Doppelsteckdosen einbauen wobei immer die Linken auf einem gemeinsamen L sind und die Rechte um einen eigenen L in den Schaltschrank geht. Dann bräuchte ich auch kein Buskabel mehr da bereits jede zweite Steckdose zum Schalten vorbereitet ist. Nur noch im Schaltschrank auf einen Aktor klemmen und fertig. Auch die Logik “welche Steckdose ist denn schaltbar? Die Rechte” ist m.E. gut praxistauglich.

        Wir bauen südlich von Nürnberg – ich weiß nicht ob das “in der Nähe” ist ;)

        Grüße
        Markus

        • Naja, Dortmund und Nürnberg ist doch n Stück 🙂
          Die Lösung hört sich um einiges interessanter an. Kostet zwar mehr Kabel, ist aber auch zukunftssicher. Mit dem Bus Kabel könntest du dir noch überlegen. In die Rolladenkästen würde ich trotzdem eins legen, kann ja mal ein Sonnensensor außen kommen. Oder eine Markise, man weiß ja nie. Deine Idee mit Links und Rechts finde ich richtig gut, so weiß man immer sofort welche Dose schaltbar ist.
          Bei den ganzen Kabelaktionen pass bitte immer nur darauf auf, dass ein NYM Kabel an einer Sicherung hängt. Zwei Adern im gleichen Kabel unterschiedlich abgesichert ist selten gut. Das wird dir aber der Elektriker aber auch erklären. Vielen Dank nochmal für deinen Kommentar! Und viel Spaß mit KNX!

  2. says:

    Guten Morgen Damian,

    spannender Artikel. Ich stehe gerade vor dem „Problem“, dass der Elektriker morgen loslegen wird und ich eher durch Zufalle (der Weg ging über Loxone, dann Busch free@home) bei KNX gelandet bin. Wie bei den meisten hieß es immer zu Beginn von allen Seiten „KNX, das rechnet sich nicht, das ist zu teuer, 20.000 – 50.000 Euro aufwärts….“.

    Nun versuche ich eine „Zwischenlösung“ zu realisieren, die von den Kosten überschaubar ist.

    Wir haben vier Raffstores mit elektrischem Motor, die restlichen Rollläden sind (noch) mit handbetrieb ausgestattet. Ebenso zentralisiere ich die Leuchtkreise, welche ich später einal dimme möchte. So wie ich es jetzt verstanden habe, ziehe ich BUS-Kabel von jedem Motor zum Verteilerschrank um diese dann über einen Aktor zu schalten. Für das restliche Haus ziehe ich dann einen Kreis an Bus-Kabel (zwei Kreise: EG und OG) und kann dann danach bequem per UP-Aktor mein KNX-System erweitern?

    Muss ich dann trotzdem noch die Zuleitungen zu den Zimmern mit 7×1,5 und die Steckdosen mit 5×1,5 versehen?

    Gruß & Danke,
    Markus

    • Hallo Markus, danke für deinen Kommentar. Du kommst ja früh mit den Fragen :-). Ich versuche mal hier eine schnelle Antwort, für die ausführliche Diskussion schick mir mal deine Telefonnummer per mail. Rollläden / Raffstores zieh die Stromversorgung direkt vom Verteiler. Also mit 5 Adern vom Verteilerschrank zum Rollladen. Dann kannst du später einen x-Fach Aktor kaufen und die Rollläden steuern. Deine Lösung mit dem grünen Kabel in jeder Kiste ist auch möglich, allerdings musst du dann Motoren kaufen die KNX können, und die sind echt teuer.
      Leuchtkreise zentralisieren? Meinst du damit eine NYM Leitung vom Verteiler zur Lichtquelle, dann ist das schon korrekt so.
      Steckdosen: Wenn du die grüne KNX Leitung zu jeder Dose ziehst, kannst du später UP-Aktoren verwenden, das stimmt. Du kannst alternativ vom Verteiler aus die NYM Leitung direkt zur Dose ziehen, dann kannst du später mit x-Fach Schaltaktoren arbeiten, das ist viel günstiger.
      Vergesse bitte nicht die KNX Leitung zu jedem Schalter zu ziehen, damit du diesen später auf den Bus klemmen kannst.

      Viel Spaß beim verkabeln!
      Damian

      • says:

        Hallo Damian,

        die Kabel sind soweit gezogen:
        – In (fast) jedes Zimmer geht vom Verteiler eine 7×1,5 NYM-Leitung in den Raum. Die Steckdosen werden dann mit einer 5×1,5 NYM-Leitung angefahren. Die Leuchtkreise laufen auch fast alle zentral in den Verteiler, dass wir hier flexibel sind was das dimmen angeht (DMX oder DALI).
        – Raffstore und provisorische Rollläden laufen ebenfalls zentral in den Verteilerraum.
        – Neben einer 4x2x0,8 Leitung für die Rauchmelder habe ich auch noch ein BUS-Kabel in die Decke gezogen und an bestimmten Stellen eine Schlaufe raushängen lassen die dann später in einer UP-Dose verschwindet und verputzt wird. Das ist optional für einen Präsenzmelder.

        Jetzt bin ich am überlegen, ob ich zusätzlich zu den Tastern auch noch in die Steckdosen einfach die NYM-Leitung mit einer kleinen Schlaufe lege. Vielleicht braucht man es ja noch einmal? Oder ist das eher sinnlos?

        Was könnte ich noch beachten? 🙂 Gibt es Must Haves, die ich jetzt schon auf dem Schirm haben sollte?

        Gruß Markus

  3. says:

    Ach von mir: Danke für die interessanten Zeilen.
    Überhaupt finde ich sämtliche Artikel hier toll: verständlich erklärt und objektiv erklärt.

    Bei vielen Hausbaufirmen ist ist KNX kein Thema. Ich komme mir vor wie ein Exot, der im Web gleichgesinnte sucht.
    Daraus ergibt sie beim Bau die Situation. dass man das Gewerk Elektro raus nimmt und von einer selber beauftragten Firma mach läßt. Damit sind Bauverzögerungen und Garantie in der eigenen Verantwortung. Auch doof.

    Wir planen einen Hausbau und für mich ist KNX noch Neuland. Vor allem habe ich gelernt, dass es hier (für mich) ein Unterschied ist zwischen verstehen und begreifen.

    Momentan stehen wir vor einem riesigen Berg Puzzleteilen, und versuchen zu verstehen, wie KNX funktioniert und ob wir das wirklich wollen. Wichtig sind auch so Nebeninfos, wie der aus dem Kommentar:
    „Also mit 5 Adern vom Verteilerschrank zum Rollladen. Dann kannst du später einen x-Fach Aktor kaufen und die Rollläden steuern. Deine Lösung mit dem grünen Kabel in jeder Kiste ist auch möglich, allerdings musst du dann Motoren kaufen die KNX können, und die sind echt teuer.“
    Bisher bin ich davon ausgegangen, dass jeder Rolladen KNX sprechen muss. Für die, die es wissen, ist es klar. Aber die, die es nicht wissen, wissen ja nicht, was sie nicht wissen. :-/ Und so kann man nur hoffen, dass man alle relevanten Infos durch viel Lesen aufschnappt.
    Der Satz in deinem Vorwort trifft es auf den Punkt: „Weil es ihnen niemand richtig erklärt.“ Selbst in einschlägigen Foren wird man mit Abkürzungen zugeballert, und bei Grundfragen an Wikipedia verweisen, oft in einem pampigen Ton („Kannst du nicht selber googeln?“). Das ich aber von Wikipedia komme und einfach eine menschliche Erklärung dessen benötige, verstehen wenige.

    Aber ansonsten kann ich es mir doch so vorstellen: Vom KNX-Schaltschrank geht das grüne Bus-Kabel im Ring an alle Geräte, von denen man später „Eingaben“ erwartet (Schalter, Bewegungssensoren, etc).
    Die Stromkabel aller Geräte, die man später mal schalten möchte gehen auch Sternförmig in den KNX-Schaltschrank?

  4. says:

    Hallo, meine Frage: wie sieht es bei einer Modernisierung aus. Also die konventionelle Installation liegt (3×1.5.) und ich möchte auf KNX umrüsten. Was ist zu tun. Leider gibt es sehr wenig Informationen darüber. Vielen Dank im voraus.

  5. says:

    Für ein Wohnhaus mit 200qm (davon sind 2/3 Bestand und werden kernsaniert und 1/3 sind Anbau) plane ich aktuell die Elektrik. Erste Prognosen für konventionelle Verkabelung liegen bei 16-20.000 EUR. Für KNX sollte ich mit ca. 50.000 EUR Mehrkosten rechnen, da die Verkabelung so aufwendig sei und das Material teurer ist.

    Zur Verkabelung:
    Ist es nicht auch sinnvoll, in konventioneller Verkabelung in jeden Raum eine eigene Zuleitung zu legen, die sternförmig zum Verteilerkasten (ggf. Etagenverteiler) führt?

    Wenn man dann (für KNX) statt 3aderiges Kabel 7aderiges Kabel verlegt, dann hätte man sofort 5 schaltbare Kanäle pro Raum, was mehr als genug ist. Das würde für 1 Deckenleuchte, 1 Rollo und zB. 2 Steckdosengruppen reichen. Vom Raum zum Verteilerkasten geht dennoch nur eine Stromleitung. Gemeinsam mit der Stromleitung kann dann das Buskabel verlegt werden (das muss zusätzlich natürlich noch zu Heizkörpern verlegt werden, zu den Fenstern müssen die Leitungen für Fensterkontakte).

    Diese Lösung klingt so, also sei vor allem mit Mehrkosten beim Material zu rechnen, und die sind ja nicht so hoch. Liege ich da falsch?

    VG
    T.Kondring

  6. says:

    Super blog und sehr interessant. Stehe gerade vor dem selben Problem, da beim Haus „Standard“ Elektro inkludiert ist aber der Rest nicht.

    Bei Rolläden mit Schaltern bedeutet dies, dass sowohl Kabel der Schalter als auch Kabel zum Motor zentral via Schaltschrank geführt werden sollte. Dann kann man später einfach KNX dazwischenhängen?

    Bei den Lichtschalter und Lampen selbes Prinzip, und zusätzlich eher auf Taster bestehen um ohne Austausch der Schalter hier KNX zwischenschalten zu können.

  7. says:

    Hallo Damian- Ich glaube, ich stehe auf dem Schlauch- aber das ist bei dem Thema vielleicht zu verzeihen. Ich stolpere über die 5 bzw 7 Adrige Variante.
    1) die Adern, die übrig sind, verwendest Du als Busersatz- richtig?
    2) gerade im Wohnzimmer usw trotzdem Buskabel in Richtung Rolladen usw. legen, warum? Wenn ich später mal für Beschattungsanlage/Flutlicht oder so Infrastruktur benötige, an die ich heute noch nicht gedacht habe, brauche ich doch auch Strom dafür? Dann kann ich doch von Verteilerdose auch mit 2 Adern extra zuleiten, und habe so den Buskabelersatz ?

    Gruß !
    Peter
    Peter

  8. says:

    Vielen Dank für die tollen Beiträge!

    gibt es auch noch einen Zwischenweg zwischen der „ist alles fertig“ und „mach ich später“ Variante? Wenn ich bei 2,5 Geschossen jede Steckdose einzeln bis in den Keller führe kommen vermutlich gigantische Kabelstränge zusammen. Gibt es in der Praxis auch Varianten wo man z.B. wie in der klassischen Verkabelung mit einer Leitung 3×1,5 in einen Raum geht und dann für diesen Raum z.B. einen 8-Fach Aktuator einsetze der auch in diesem Raum sitzt (Nachteil: große Verteilerdose wie ganz früher/Tapete aufschneiden wenn man doch mal ran muss) Oder zumindest einen Verteilerschrank pro Etage?
    Ich habe mal Elektriker gelernt, jedoch nie mit KNX gearbeitet. Da ich jetzt schon seit 17Jahren in der Automobilentwicklung arbeite kenne ich mich grundsätzlich mit Bus Systemen (CAN, LIN, MOST) aus. Wir sind jetzt in einer frühen Planungsphase für uns eine Doppelhaushälfte oder ähnliches für uns zu bauen und lese mich gerade in das Thema Hausautomatisierung ein…
    Noch eine Frage: Beschränkt sich die Einbindung eines Kühlschrankes auf Strom an/aus oder gibt es hier auch intelligente Geräte welche einen KNX Anschluss haben um z.B. bei der Temperatur auch Schwankungen bewusst zu nutzen/zuzulassen um den Eigenstromverbrauch einer Solaranlage zu erhöhen? Könnte mir auch vorstellen, dass solche modernen Kühlschränke ein hartes Ausschalten nicht wirklich gut vertragen…

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