Das intelligente Haus – eine Wunschvorstellung, noch.

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Das intelligente haus

Lass und heute mal ein paar Dinge klar stellen. Alle haben ein Smart Phone und es ist gerade toll „smart“ zu sein. Alle wollen ein „Smart Home„. Doch was ist das intelligente Haus wirklich? Warum wollen wir das und wie weit ist es noch? Wenn es nach mir geht, schlechte Nachrichten: wir sind noch ganz am Anfang. Wir sind auf dem richtigen Weg, haben aber noch ein ganzes Stück vor uns. Das was dir heute als intelligentes Haus verkauft wird, ist eine marketing Strategie. Du lebst vielleicht schon in einem vernetzten Haus. Dein Haus ist bestimmt auch nett zu dir, aber intelligent ist was anderes.

Das intelligente Haus, ein Beispiel

Wenn der Fernseher bei uns läuft, gibt es einen bestimmten Sonnenstand, bei dem die Sonne auf den TV scheint und uns blendet. Also gibt es eine Logik (oder eine Regel, je nachdem wie du es nennst), die unsere Rollläden entsprechend einstellt. Diese Regel kennt die Sonnenstände und die Intensität die uns stört und handelt danach.

Das ist in etwa so, als würdest du deinem Kind sagen: „Wenn du durch die Haustür kommst, putze dir die Schuhe ab und ziehe sie aus.“ Es gibt eine feste Aktion (das Betreten des Hauses durch die Haustür) und eine feste Reaktion (Schuhe abtreten und sauber machen). Wenn dein Kind das jedes mal macht, ist es gut erzogen und befolgt Verhaltensregeln.

Smart ist das Kind erst, wenn es das gleiche macht, beim Betreten des Hauses durch die Terrassentür. Ohne es ihm gesagt zu haben. In dieser Situation hat das Kind selbständig eine Ähnlichkeit zwischen den Situationen entdeckt und entsprechend reagiert.

Ein Haus ist also nicht smart, wenn es dir meldet „Es ist ein Brief im Briefkasten“. Es ist nett vom Haus, das gebe ich durchaus zu. Würdest du jedoch dein Kind loben, wenn es zu dir kommen würde und sagen würde „Im Keller brennt Licht“. Es sollte selbst entscheiden, ob das Licht notwendig ist und es gegebenenfalls aus machen.

Was also ist „smart“?

Der zweite Hype, der gerade durch die Welt geht ist „Künstliche Intelligenz“. Maschinen lernen wie ein Gesicht aussieht und erkennen es im laufenden Video. Dein Haus ist damit, mittels Kamera an der Haustür, in der Lage dir zu sagen „Dein Briefträger war gerade da“. Das ist nicht smart, das ist nett.

Was würdest du von einem Hausdiener erwarten? Sagen wir mal, der Briefträger hat ausschließlich Werbung eingeworfen. Sagen wir weiter, in deinem Haus liest niemand regelmässig diese Werbung. Was kann dein Butler nun mit dieser Werbung tun? Wähle mal aus den drei Butlern aus, welchem ist dein Haus heute ähnlich.

  • Butler 1 musst du die Werbung zeigen und sagen „immer wenn etwas ähnliches eingeworfen wird, direkt in den Müll“. Damit gehst du ein Risiko ein, dass interessante Angebote im Müll landen, übernimmst aber die Verantwortung dafür.
  • Butler 2 merkt, dass du die Werbung nicht beachtest und lässt sie unauffällig verschwinden, ohne dich zu belästigen. Damit übernimmt er die Verantwortung dafür, dass interessante Angebote dich nicht erreichen. Er kann sich dadurch Ärger einhandeln.
  • Butler 3 lernt, was dich interessiert und legt dir die Werbung nur vor, wenn er sie für dich als wichtig einstuft. Das tut er ohne, dass du ihm ein Wort sagen musstest. Uninteressante Werbung zeigt er dir zwischendurch um seine Entscheidungen zu prüfen.

Welchen Hausdiener möchtest du? Ich nehme Butler 3.

Mein Traum vom Smarten Haus.

Das intelligente Haus unterstütz mich unauffällig.
Die Zukunft: Das Haus entscheidet selbständig ob es mir zur Hand gehen möchte.

Als wir unser Haus gebaut haben, hatte ich einen Traum. Das intelligente Haus sollte von uns lernen. Wir sind aus einer Wohnung gezogen, in der es eine konventionelle Elektro Installation gab. Das Licht leuchtete also nur, wenn der Schalter bedient wurde. Unserem aktuellen Haus kann ich sagen: „Bitte das Licht einschalten, wenn ich im Büro bin, der Rechner läuft und es dunkel ist.“ Damit bin ich bei Butler 1. Der Traum ist: Das Haus soll selber merken, dass ich beim Arbeiten Licht brauche. Die Informationen sind da. Es ist ein wiederkehrendes Ereignis. Warum muss ich eine Regel oder eine Logik dafür anlegen?

Und kommt mir bitte nicht mit „Anwesenheitssimulation“ und Aufzeichnung von Signalen. Ich rede davon, das ich ein paar mal das Licht einschalte, wenn ich vor dem Rechner sitze und beim nächsten Mal, das Licht ohne mein zu Tun eingeschaltet wird. Einfach nur, weil das Haus entschieden hat, „der mag das so„. Erwarte ich zu viel?

Fazit

Das ist so ein typischer Freitag Artikel. Ich wünsche mir was und bringe meine Gedanken zu Papier. Ein Smartes Haus soll selbständig Entscheidungen treffen, das Risiko eingehen, daneben zu liegen und mir diese ganze „wenn das passiert, dann mach dieses“ Regelung abnehmen.

Wir sind auf dem richtigen Weg, vielleicht gibt es auch schon Plugins in die Richtung für einige Home Server, ich kenne keine. Natürlich bedeutet das auch, dass mein Haus „Fehler“ macht. Allerdings kann es nur aus Fehlern lernen.

Wir sind auf dem richtigen Weg, lies mal diesen englischen Artikel, der beschreibt es noch besser. Es bleibt die Frage, ob du das möchtest, ich glaube es wird so sein wie mit autonomen Fahren. Am Anfang haben alle geschrien „ich will selber fahren“, heute gehört es zum Alltag wenn das Auto es kann. Kennst du diese Artikel: Ein Morgen mit KNX | Sicht einer Frau, Ein Morgen mit KNX | Sicht eines Mannes? Stell dir vor, all diese Dinge geschehen, ohne dass du eine Regel angelegt hast. Das intelligente Haus kann das.

Viel Spaß mit KNX,
Damian

Ein Gedanke zu “Das intelligente Haus – eine Wunschvorstellung, noch.

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