Photovoltaik und KNX Erfahrungen

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Die, die mir bei Facebook folgen, wissen, dass wir seit Ende November 2020 eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben. Heute beschreibe ich mal wie die Photovoltaik und KNX über die IP-Symcon kommunizieren, was die Anlage gekostet hat und wie sie bis jetzt läuft.

Die Anfänge

Ich weiß, Strom selber auf dem Dach produzieren ist heute nichts besonderes mehr. Gefühlt hat jeder zweite solche Platten auf dem Dach und freut sich über den eingesparten Strom. Wir haben beim Hausbau 2016 noch gezögert und jetzt 2020 nachgelegt. Inzwischen muss ich sagen, es wäre besser gewesen es direkt mit dem Hausbau zu machen, dann hätten wir schon 4 Jahre davon profitiert.

Die Kosten

Auf unserem Dach befinden sich seit Ende November 2020 Solar-Paneele der Firma Heckert Solar. Wir haben uns für die schwarzen entschieden, da diese sich besser in die Optik des Hauses integrieren. Unser Dach ist schwarz und so haven wir auf die 10 Watt Peak verzichtet. Die Schwarzen Paneele bringen nämlich 320 Watt Peak, während die normalen, blauen auf 330 Watt kommen. Die Gesamtleistung der Anlage beträgt also 9600 Watt Peak, oder 9,6 kWp.

In der Garage hängt ein Wechselrichter von Kostal und zwar der . Den ich auch per IP-Symcon Modul problemlos in unsere Hausintelligenz einbinden konnte. Dazu später mehr. Der Wechselrichter hat auch einen Anschluss für eine Batterie, falls wir uns irgendwann entscheiden eine zu kaufen.

Zusätzlich zu dem ganzen wurde ein so genannter verbaut. Das ist ein zusätzlicher Zähler, der mit dem Wechselrichter kommuniziert und uns so erlaubt, mehr Strom zu verkaufen. Da kannst du auch alle möglichen Daten zum Verbrauch direkt ablesen. Ich lese die wichtigsten Daten über den Wechselrichter aus.

Hinzu kommen noch einige Halter, ein wenig Kabel und die Montage der Anlage. Unsere Paneele werden übrigens von dem Schletter Rapid2+ auf dem Dach gehalten.

Wir haben keine Batterie. Deshalb kann ich die Frage ob sich das rechnet nicht beatworten.

Das ganze hat ca. 15.000 Euro gekostet, wobei die Mehrwertsteuer (16% da gerade Corona war) wieder zurück gekommen ist.

Die ganze Abwicklung, also Beantragung bei der Stadtwerke, Montage und Beratung hat die Firma GSM Solar übernommen, die wir auch sehr empfehlen können. Solltest du im Kreis Unna wohnen, ruf da mal ruhig an und grüße den Herrn Guthofer von mir.

Die Einnahmen, oder: wozu der Zusatzzähler?

Das wichtigste zuerst: wir bekommen ca. 8 Cent pro eingespeiste Kilowatt-Stunde. Also für jedes kWh das wir nicht selbst verbrauchen, sondern an die Stadtwerke abliefern gibt es diese 8 Cent. Diese Vergütung fällt aktuell um ca. 0,1 Cent pro Monat.

Was ich nicht wusste: Bei uns in der Gegend, darfst du als Anlagenbetreiber 70 Prozent vom Peak einspeisen. Das ist so vorgeschrieben. Bei unseren 9,6 kWp (Kilowatt Peak) dürfen wir also ca. 6,72 kW einspeisen. Der Wechselrichter alleine, kennt deinen aktuellen Stromverbrauch aber nicht. Der hängt da so im Haus rum und wandelt den Strom vom Dach um und pumpt ihn in dein Hausstrom. Damit du nun also auf keinen Fall mehr als 70% einspeisen kannst, wird der Wechselrichter auf 70% deiner 9,6 kWp abgeriegelt. So ist sicher gestellt, dass selbst wenn du 0 Watt selber verbrauchst, nicht mehr als diese 6,72 kW in das Stromnetz fließen.

Photovoltaik und KNX - Daten aus dem Kostal Wechselrichter
Kostal Wechselrichter Daten: Abriegelung der Anlage auf 7,2 kW da wir zu dem Zeitpunkt ca 400 Watt Eigenverbrauch hatten

Mit dem zusätzlichen Zähler regelt sich der Wechselrichter automatisch auf den Wert 6,72 kW plus dein aktueller Stromverbrauch ab. Der Smart Meter von Kostal wird einfach direkt hinter deinen Zähler von den Stadtwerken gehängt und misst den aktuellen Stromverbrauch deines Hauses. Verbrauchst du also gerade 2 kW selber, zum Beispiel weil der Ofen angesprungen ist, regelt der Wechselrichter sich bei 8,72 kW ab. So haben wir schon Werte um 8,5 kW auf unserer Anlage gesehen. Das sind 88 Prozent des theoretisch möglichen. Ok, es waren 4 Grad Celsius draußen mit mega viel Sonne, aber es ist schon schön die Anlage so performen zu sehen.

Photovoltaik und KNX. Abriegelung steigt, wenn der Stromverbrauch steigt.
Kostal Wechselrichter Daten: Hier habe ich mal zum Spaß den Ofen angeworfen. Sofort steigt die Abriegelung auf 9 kW. So viel dürften die Platten jetzt produzieren.

Dazu muss ich sagen, wir haben eine Dachneigung von ca. 36 Grad und eine Ausrichtung von 170 Grad (180 wäre perfekt nach Süden). Keine Bäume oder Gebäude im Weg, also nahezu perfekte Bedingungen.

Die Bisherigen Erfahrungen

Es gibt eine ganz tolle App von Kostal, die uns die bisherigen Zahlen täglich einsehen lässt. Hier ein paar Zahlen die dich vielleicht interessieren:

JahrMonatVerbrauch
(gesamt)
kWh
Verbrauch
(aus Netz)
kWh
Erzeugung
(gesamt)
kWh
Erzeugung (Verbrauch)
kWh
Erzeugung
(Einspeisung)
kWh
2020Dezember384300 (78%)21284,2 (40%)128(60%)
2021Januar377283 (75%)23393,6 (40%)139 (60%)
2021Februar371215 (58%)649156 (24%)493 (76%)
Gesamt1132 798 (70%)1094 333,8 (31%)760(69%)

Damit erreichen wir bisher einen Autarkiegrad von ca 29 Prozent. Da heißt, selbst in den schlechten Monaten (Dezember, Januar) kaufen wir 30 Prozent weniger Strom ein. Ich werde die Tabelle immer mal wieder aktualisieren um dir einen Verlauf über eine längere Zeit zu zeigen. Außerdem bin ich selber auf die Zahlen gespannt.

Wie du aus der Tabelle siehst, haben wir in den drei Monaten 1132kWh verbraucht und 1094 kWh erzeugt. Selbst wenn wir es also geschafft hätten den gesamten Strom vom Dach zu speichern, müssten wir noch einige kWh von der Stadtwerke dazu kaufen. Naja, mal sehen wie die Rechnung nach den Sommermonaten aussieht.

Photovoltaik und KNX verbinden

Langfristiges Ziel ist es, den Verbrauch so zu verschieben, dass so viel Strom wie möglich von der Sonne kommt. Die erste manuelle Maßnahme war, dass ich unsere Lüftungsanlage umprogrammiert habe. Diese geht jetzt abends, gegen 20 Uhr komplett aus und schaltet sich erst gegen 7 Uhr wieder ein. Dafür läuft sie am Tag etwas höher als vorher. So erreiche ich die gleiche Umwälzung der Luft, jedoch mehr Stromverbrauch am Tag. Da sich bisher kein Hausbewohner beschwert hat, nehme ich an, dass es keine Einbußen der Luftqualität gibt.

Einbindung in unseren HomeServer (IP-Symcon)

Das wichtigste ist natürlich, dass das Haus weiß was gerade vom Dach kommt und was verbraucht wird. Wie im Artikel IP-Symcon | Raspberry Pi, Heizung und Strom beschrieben, habe ich schon immer unseren Stromzähler über eine infrarot Schnittstelle ausgelesen. Da wir jetzt einen neuen Zähler gekriegt haben, geht das nicht mehr. Das ist allerdings auch nicht schlimm, da der Kostal Wechselrichter alle Daten liefert. Es gibt ein Community Modul (JoTKPP) für die IP-Symcon das so ziemlich alles aus dem Wechselrichter ausliest, was geht und es in der IP-Symcon zur Verfügung stellt.

Mit Hilfe von den Daten aus diesem Modul konnte ich dann eine LED von unserem MDT-Glastaster zur Sonnen-LED parametrieren. Wenn wir Strom einkaufen, dann leuchtet diese LED rot, sobald wir keinen Strom mehr einkaufen, leuchtet die LED weiß. Wenn die Sonne also gerade so unseren Grundbedarf deckt springt die LED direkt auf rot, wenn der Toaster eingeschaltet wird. Das ist ziemlich praktisch und zeigt uns immer den aktuellen Stand der Stromerzeugung. Zusätzlich schicke ich die Werte für Eigenverbrauch, Erzeugung und Einspeisung an den Bus und kann so die genauen Werte auf unserer Visualisierung ablesen.

Hier mal die Visualisierung mit knXpresso. Perfektes Wetter für die Module. -6 Grad und wunderschöne Sonne. Da kommen auch mal 8,5 kW von den Paneelen.

Weitere Automatisierungen sind noch in Planung, allerdings ist die Zeit endlich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Spülmaschine einfach eine Pause macht, wenn man ihr den Strom klaut. Aus einem Forum habe ich also die Idee aufgeschnappt: Spülmaschine einschalten und eine Minute laufen lassen. Dann, den Strom weg nehmen und warten bis die Sonne da ist. Den Strom wieder einschalten und das Programm zu Ende laufen lassen. Das gleiche ginge vielleicht mit der Waschmaschine. Vielleicht fallen mir auch noch weitere Möglichkeiten ein, wie wir den Stromverbrauch in die Sonnenstunden verschieben können.

Fazit

Ja, das waren sie, die Erfahrungen der ersten 3 Monate. Mal sehen, wie sich die ganze Thematik weiter entwickelt. Ich hoffe ich konnte dir einen Einblick in unsere Photovoltaik-Anlage vermitteln und vielleicht hast du auch Ideen gefunden, wie du selber deinen erzeugten Strom besser nutzen kannst.

Hast du selber PV-Paneele auf dem Dach? Wie sind deine Erfahrungen? Komuniziert deine PV-Anlage mit KNX? Hast du vielleicht auch smarte Haushaltsgeräte, die wissen wann der Strom günstig ist und laufen dann an? Kommentier mal unter dem Artikel, würde mich interessieren.

Viele Grüße,
Damian

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