KNX Schaltschrank Vorbereitung und Ausführung

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KNX Schaltschrank Beitragsbild

Alle Stromleitungen im Haus kommen aus einem Sicherungskasten oder Schaltschrank. Das gilt in der konventionellen Verkabelung als auch bei KNX. Beim KNX Schaltschrank kommen lediglich mehr Leitungen raus und er ist um einiges größer. Wenn du also KNX haben möchtest, solltest du dir Gedanken zum Schaltschrank machen. Das kann ein eigener KNX Schaltschrank sein, oder integriert in den Zählerschrank. Je nachdem was du in deinem Haus vor hast. Heute berichte ich welche Gedanken ich mir damals gemacht habe.

Wie entsteht ein KNX Schaltschrank?

Ein KNX Schaltschrank ist nichts anderes als ein konventioneller Sicherungskasten nur etwas größer. Du hast später einige Komponenten mehr in deinem Schrank, die brauchen Platz. Ich gehe jetzt mal davon aus, du planst einen Schaltschrank, der sowohl die Sicherungsautomaten als auch die KNX Komponenten enthält. Es können auch zwei oder mehr Schränke sein, dann verlaufen allerdings sehr viele Leitungen zwischen den Schränken. Nachträglich einen Automaten zu ergänzen ist dann schwieriger, da du eine zusätzliche Leitung zeihen musst. Niedervolt und Medien in einem separaten Schrank unter zu bringen bietet sich dagegen an, da du so die notwendigen Abstände zwischen 230V und Niedervolt automatisch berücksichtigst. Ich habe alles in einem Schrank im Hauswirtschaftsraum. Für einen separaten Technikraum war bei uns kein Platz und bei unserem Einfamilienhaus, würde sich ein eigener Schrank nicht lohnen.

Die Planung

Unabhängig davon, ob du den KNX Schrank später selbst verkabelst oder bauen lässt, es ist Sinnvoll sich vorher schon mal einige Gedanken zu machen. Natürlich musst du wissen, wie die Leitungen in deinem Haus verlegt werden, und wie viele davon aus dem Schaltschrank raus gehen. Wenn du den KNX Schaltschrank bauen lässt, musst du dem Schrankbauer sagen, was er tun soll. Am einfachsten ist es natürlich, dein Elektriker erstellt dir einen „Verlegeplan“ für deine Leitungen, dann kennt er die Ausgangsseite deines Schranks ja schon. Auf der Eingangsseite gibt es nicht viel zu planen. Von deinem Hausanschluss gehen die Leitungen zum Zähler. Dazwischen hängen ein paar Sicherungen und gut. Entweder du darfst diese Verkabelung selbst machen, dann brauche ich dir dazu nichts zu erzählen, oder du hast einen Elektriker, der das kann und darf. Die Musik beginnt hinter dem Zähler.

Verteilerklemmen oder nicht?

Fangen wir mal von hinten an, bei der Ausgangsseite, die zum Haus geht. So kann ich es besser erklären. Prinzipiell möchte ich dir hier zwei Möglichkeiten vorstellen deinen Schrank zu verkabeln. Es gibt vielleicht noch weitere, die ich nicht kenne, oder Variationen davon.

Direkt auf die KNX Komponenten vor Ort

Kommt dein Schaltschrank leer ins Haus, kannst du ihn direkt verkabeln. Du zeihst dann von jedem Verbraucher eine Leitung direkt bis zum KNX Aktor. Das heißt du gehst mit deinem NYM 5×1,5 in den Schaltschrank hinein, legst den Schutzleiter auf die eine Schiene, den Neutralleiter auf die andere und gehst mit allen Phasen, die du brauchst, bis zu den Kanälen vom KNX Aktor. Das heißt allerdings, du kannst diese Verkabelung erst machen, wenn du die Leitungen im Haus schon verlegt hast.

Eigenschaften dieses Aufbaus:
  • Keine Verteilerklemmen notwendig (weniger Kosten)
  • Mehr Platz im Schrank, oder kleinerer Schrank möglich (die Klemmen brauchen einiges an Platz im Schrank)
  • Schrank muss vor Ort verdrahtet werden (muss kein Nachteil sein, wenn du das sowieso machst)
  • Größerer Aufwand, wenn etwas verändert werden soll (Ich habe nachträglich meine Außenbeleuchtung auf einen Schaltaktor mit Strommessung gelegt. Da haben wir schon hier gewohnt. Dazu musste ich einige Adern austauschen, die zu kurz waren.)

Es ist bewusst keine Vorteile/Nachteile Liste, denn einige Punkte können beides sein. Wenn du sowieso Platzprobleme im Schaltschrank oder in der Unterverteilung hast, würde ich auf die Verteilerklemmen verzichten. Dann allerdings vorher lieber ein oder zwei Gedanken zur Planung mehr machen ;-).

Verteilerklemmen als Verbindung zwischen Haus und KNX einsetzen

Alternativ kannst du in deinem Schrank einen Übergabepunkt aus Verteilerklemmen erstellen. So habe ich es gemacht. Alle Leitungen aus dem Haus enden direkt auf Verteilerklemmen. So musst du die einzelnen Adern nicht quer durch den Schrank ziehen und schließt Schutz- und Neutralleiter auch direkt über die Verteilerklemmen an. Wenn du einen Zwischenschritt einlegen möchtest, um die KNX Verkabelung später zu machen, kann dein Elektriker jetzt auch direkt die Phase von den Sicherungsautomaten auf die Verteilerklemmen ziehen. Du hättest eine funktionierende konventionelle Elektroinstallation. Später ziehst du von einem Sicherungsautomaten eine Phase auf einen KNX Aktor Kanal und weiter zur richtigen Verteilerklemme. So kannst du nach und nach einzelne Verbraucher auf KNX legen und dein Schrank entwickelt sich immer weiter.

Eigenschaften dieses Aufbaus
  • Mehr Kosten (Verteilerklemmen kosten Geld ;-))
  • Mehr Platz im Schrank notwendig.
  • Sehr gute Möglichkeit, wenn der Schrank nicht vor Ort gebaut wird.
  • Änderungen später sehr gut durchführbar.

Insbesondere wenn du dich dafür entscheidest jede Steckdose einzeln mit einer NYM Leitung zu versorgen, kommen einige Klemmen auf dich zu. Plane schon mal ein, dass du 3 Klemmen pro TE unterbringen kannst. In einem Feld mit 12 TE macht das 36 Klemmen, aka 36 Verbraucher. Ich habe in meinem Schaltschrank 5 Felder a 12 TE für die Verteilerklemmen benötigt.

Sicherungsautomaten, Fehlerstrom-Schutzschalter und Zähler

Vor den KNX Aktoren hängen die Sicherungsautomaten und davor die Fehlerstrom-Schutzschalter (FI’s). Bei den Sicherungsautomaten fragst du besser deinen Elektriker, oder weißt es selbst. Es gibt einige Geräte die einen eigenen Automaten haben müssen und einige bei denen es sich anbietet. Ich habe pro Zimmer für alle Steckdosen, immer einen Automaten vorgesehen. Für die Küche natürlich mehrere (Herd, Ofen, Spülmaschine und zwei für die Steckdosen). Es gibt allerdings auch KNX‘ler die pro Kanal einen eigenen Automaten einsetzten. Ich sehe darin keinen Vorteil. Wie hast du das bei dir gedacht?

Fehlerstrom-Schutzschalter (FI)

Zu diesem Thema gibt es einen Artikel auf meinem Blog : „KNX Anlage absichern. Bist du sicher?“. Die FI’s kosten heute nicht mehr die Welt. Wenn du den Platz hast, dann besser einen mehr als einen zu wenig. Es gibt viele die KNX auf denselben FI wie das Licht setzten. Das habe ich auch so, werde es aber ändern. Wenn der Licht FI ausfällt, kann ich so, wenigstens noch die Stehlampe in der Ecke schalten. Außerdem hängt der Home Server am gleichen FI wie KNX und dem möchte ich plötzliche Stromausfälle möglichst ersparen. Überlege dir die Anzahl deiner FI’s also bitte besonders gut, die Zeiten von „Einer für die ganze Hütte.“ oder „Als ich die Elektriker Lehre gemacht habe, haben wir gar keine FI’s verbaut“ sind auf jeden Fall vorbei. Aus Erfahrung kann ich sagen, heute fliegt ein FI sehr viel häufiger als ein Sicherungsautomat.

Aufbau unseres KNX Schranks

KNX Schaltschrank - Aufbau unseres Schrankes
So ist unser Schaltschrank aufgebaut. Ich wollte einen „Fluß“ erzeugen. Der Strom kommt unten links an und fließt nach oben durch den Zähler zu den FI’s. Dann geht es nach rechts zu den Sicherungsautomaten und weiter zu KNX. Von dort dann nach oben oder nach unten, je nachdem wo die Verbraucher sitzen. Natürlich kannst du deinen Schrank ganz anders planen.

Hier mal eine kleine Beschreibung wie unser Schrank aufgebaut ist. Diesmal vorwärts. Hinter dem Zähler hängen 3 FI’s. Einer für außen und zwei für innen. Hinter den FI’s hängen die Sicherungsautomaten. Insgesamt ca.  36 Stück. Bis hierher hat der Elektriker alles erledigt. Von den Automaten bin ich dann auf die einzelnen Kanäle der KNX Aktoren gegangen. Es gibt bei uns keine direkte Verbindung zwischen Sicherungsautomat und den Verteilerklemmen. Ich gehe für jedes Zimmer zuerst durch einen KNX-Aktor mit Strommessung. Ich kann den Stromverbrauch in jedem Zimmer also einzeln überwachen. So ist es auch möglich über KNX das ganze Haus Stromlos zu schalten, obwohl ich auf einen Kanal pro Steckdose verzichtet habe. Von den KNX Aktoren gehen dann Leitungen zu den Weidmüller Verteilerklemmen (Link zum Eibmarkt).

Noch etwas, was ich heute anders machen würde: Ich habe nicht alle Adern auf Verteilerklemmen gelegt. Wenn ich mit einem NYM 5×1,5 von einer Steckdosengruppe mit nur zwei Dosen gekommen bin habe ich zwei Klemmen verwendet. Die dritte Phase wurde beschriftet und im Schrank „versteckt“. Damals habe ich gedacht: Du kannst ja jederzeit eine Klemme dazwischen fummeln. Inzwischen habe ich so oft gefummelt, ich würde für jede Ader eine Klemme einsetzten.

Verkabelt habe ich den Schrank selber, nachdem im Haus alles verlegt worden ist. Alles in allem waren das bestimmt ein oder zwei Wochen, die ich vor meinem Werk verbracht habe.

Fazit

Heute habe ich den Aufbau eines KNX Schaltschranks beschrieben. Wenn du dein Haus planst, mache dir bitte frühzeitig Gedanken darüber, oder lass deinen Schrank von einem Fachmann bauen. Das hat den Vorteil, dass du dir frühzeitig einen Schaltplan zur deiner Installation überlegen musst. Ich beschreibe zwei Arten einen KNX Schrank zu verkabeln direkt oder über Verteilerklemmen. Wahrscheinlich gibt es noch einige mehr.

Wie hast du deinen Schrank aufgebaut? Hast du selber verkabelt? Wie lange hat es gedauert?

Viel Spaß mit KNX,
Damian

6 Gedanken zu “KNX Schaltschrank Vorbereitung und Ausführung

  1. Habe mir aus Zeitgründen damals von einem Freund die Fi‘s und Verteilerklemmen nach meinem Plan auflegen lassen. Die Sicherungsautomaten und Aktoren habe ich dann selber aufgelegt. Ich würde auch wieder auf die Mehrstockklemmen setzen. Das macht einen sauberen Eindruck und Änderungen sind jederzeit einfach zu ergänzen. Man sollte nur den Mehraufwand an Zeit und Geld für klemmen und größeren Schrank nicht unterschätzen.

    1. Hallo Matthias,
      danke für deinen Kommentar.
      Genau, Mehraufwand in Zeit, Geld und PLATZ ist nicht zu unterschätzen. Wenn der Schrank eh vor Ort, nach der Verlegung der Leitungen installiert wird, hat es außer „Optik“ wenig Vorteile die Klemmen zu nutzen.
      Ich hatte gerade noch ein sehr lehrreiches Telefonat zu dem Thema.
      Natürlich ist es auch ein großer Vorteil, dass du nicht mit der starren NYM Leitung quer durch den Schrank gehen musst.
      Wenn Reihenklemmen verwendet werden, befinden sich nur flexible Leitungen im Schrank, die können weder brechen, noch aus einem Aktor rutschen.

      Viele Grüße,
      Damian

  2. Hallo Damian,
    Vielen Dank für den Beitrag.
    Ich bin selber auch grad an der Planung eines Schaltschrankes.
    Mich würde mal ein Foto von deinem Schrank interessieren um mal ein konkretes Beispiel zu sehen wie man es machen könnte.
    Mfg Felix

    1. Hallo Felix,
      danke für deinen Kommentar!
      Das Titelbild zeigt meinen Schrank :-). Ich kann hier im Kommentar leider kein Bild einfügen. Es gibt allerdings genug Beispiele im Internet die sehr schön gebaut sind. Schau mal auf der Facebook Seite der #Verteilermanufaktur vorbei.
      Außerdem bin ich ja kein Profi. Diejenigen, die sowas täglich machen, können das viel besser 😉

      Viele Grüße,
      Damian

  3. Hallo Damian,

    ich verfolge deinen Blog schon länger immer im stillen.
    Dein Schrankschema von oben ist aber nicht ganz von Vorteil.
    Wichtigster Punkt: Die Leitungsschutzschalter (oben als Sicherungsautomaten bezeichnet) und die FI-SS gehören immer zusammen auf eine Hutschiene, damit man diese direkt mit einer 3-Phasenanschlusschiene unten verbinden kann. Sollten am FI-SS weitere LS hängen gehören diese darunter.
    Punkt 2: Es gibt sicherlich auch im Erdgeschoss Leitungen die von oben kommen, z.B. sämtliche Beleuchtungsstromkreise. Folglich sind die Klemmen dann aber leider unten.

    Bitte das nicht als Kritik sehen, sondern als weitere Verbesserung einer schon sehr guten Vorlage.

    Ansonsten Respekt für deinen bisherigen Blog !!!

    1. Danke für die Tipps!
      Sind bestimmt für die nächsten wertvoll. Mein Elektriker hat das so vorgeschlagen. Nun ja, jeder kann noch etwas lernen 😉
      Und du hast natürlich Recht. Licht kommt auch im EG von oben.
      Viele Grüße,
      Damian

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