Unser Smart Home | Von der Planung bis zum Einzug

Geschätzte Lesezeit: 6 min
KNX Planung bis Einzug

Der Baubericht von Lars und seinem Smart Home kam so gut an, da möchte ich gleich ein weiteres Beispiel für ein Smart Home nachschieben. Im Artikel gehe ich insbesondere darauf ein, wie der Bauherr zu KNX gekommen ist und wie sie die Kosten für KNX ermittelt haben. Hier also ein Bericht, von der Planung bis zum Einzug. Wer schon öfter hier unterwegs war, wird den Bauherrn und das Haus sofort erkennen, dennoch: Alle Namen sind rein zufällig gewählt, das Haus und die Berichterstattung beruht allerdings auf echten Erfahrungen und Fakten.

Die interessanten Eckdaten und Zahlen zuerst

Am Anfang einmal möchte ich, ähnlich wie bei Lars ein paar Fakten zusammentragen. Es kommen in Zukunft mehr „Bauberichte“, so kannst du die Artikel leichter vergleichen.

Wer ist der Bauherr/in?

Hier hat eine kleine Familie mit inzwischen 2 Kindern gebaut. Obwohl während der Planung das zweite Kind noch nicht da war wurde das Haus gleich mit zwei Kinderzimmern gezeichnet. Der Bauherr ist 43 Jahre alt und heißt, sagen wir mal Dominik. Er entwickelt Software zur Auslegung von Pumpen bei einem mittelständischen Industrieunternehmen in Dortmund. Dominik bezeichnet sich selbst als technikaffinen Informatiker, kann aber auch einen Nagel in die Wand schlagen. Als der Plan 2014 entsteht ein Smart Home zu bauen, hat der Bauherr einige Erfahrung mit Elektrik und keine Ahnung von KNX.

Der Bauherr. Jeder sollte mal bauen, nur um „Bagger“ fahren zu können.

Wo und was wird gebaut?

Gebaut wird im Kreis Unna bei Dortmund. Direkt an der Grenze zwischen Ruhrgebiet und Münsterland soll ein freistehendes Einfamilienhaus entstehen.  Budget für das Haus, ohne Grundstück liegt irgendwo bei 280.000 Euro. Dafür will die Familie ein Satteldach, ca. 160 m² Wohnfläche ohne Keller, dafür mit Dachboden und Doppelgarage. Gebaut wird komplett aus Porenbeton, Stein auf Stein mit einer zentralen Lüftungsanlage. Die Planung beginnt 2014. Einzug soll dann Mitte 2016 erfolgen. Die reine Bauphase, nachdem das Grundstück gekauft wurde begann Mitte 2015.

Warum KNX?

Dominik hat schon in der Wohnung einiges automatisiert. Licht im Bad durch Bewegungsmelder gesteuert. Hintergrundbeleuchtung, wenn der Fernseher lief. Multi-Room Sound mit mehreren Android Geräten und Squeezebox. Das sollte im Haus auf ein neues Level gesetzt werden, also musste als Grundgerüst etwas Langfristiges her. 2014 war die Auswahl noch nicht so groß wie heute. Wobei auch heute würde er KNX wählen. Zuerst musste ein Fundament geschaffen werden, um später alles Mögliche zu realisieren. Für Dominik war klar, erst einmal in der Lage sein, alles zentral steuern zu können (Licht, Rollläden, Steckdosen und Heizung), dann in der Zukunft ausbauen. Um den WAF Faktor auf zulässigem Niveau zu halten, musste das Haus immer „funktionieren“. Licht an, Licht aus und so weiter, sollte auch ohne Home Server, Handy oder sonst was möglich sein. Nach Evaluation des Marktes hat KNX das Rennen gewonnen. Unter anderem auch weil Dominik auf gar keinen Fall eine Funk Lösung haben wollte, er konnte ja im Haus alle Kabel verlegen die notwendig sind.

Um mit dem Elektriker dann auf Augenhöhe zu reden, hat Dominik einen KNX-Kurs an der Handwerkskammer zu Köln gemacht. Dort hat er das KNX-Partner Zertifikat erworben. So waren die Rollen klar verteilt: Der Elektriker kümmert sich um Strom und Sicherheit, Dominik um KNX.

Warum Smart Home?

Es sind die Kleinigkeiten, die einem das Leben erleichtern. Automatische Beschattung, damit es im Haus nicht zu warm wird. Alle Rollläden im EG schließen, wenn das Haus verlassen wird. Stromverbrauch überwachen, um Stromfresser zu finden. Morgens mit dem Kaffee in der Hand zusehen, wie der Rasen gegossen wird. Eine Meldung aufs Handy bekommen „Es hat geklingelt“ und dann nachschauen wer es denn war. Abends, ohne von der Couch aufzustehen sagen zu können „Alexa, mach das Garagentor zu“. Außerdem sind die Glastaster, die im Haus verbaut sind, ein Blickfang und die gesamte Technik erhöht den Wert der Immobilie.

Eigenleistung im Bezug auf KNX?

Dominik war von Anfang an klar: wenn der Elektriker alles macht, wird es zu teuer. Dann ist KNX nicht im Budget drin, oder die Familie muss auf andere Dinge verzichten. Das wollten alle nicht. Also musste Eigenleistung her. Durch den KNX-Kurs konnte er natürlich die gesamte Programmierung selbst machen. Als Softwareentwickler war das zu schaffen und er hatte ja genug Zeit. Denn die Verkabelung im Haus sollte ja erst Ende 2015 los gehen. Die Frage war die „Hardware“, also die Verkabelung. Das stellte sich allerdings später auch als machbar heraus. Es wurden sternförmig alle Steckdosengruppen mit NYM 5×1,5 angefahren und die KNX-Leitung durchs Haus gezogen. Dominik hat auf Leerrohre für die Stromkabel verzichtet. Nur für das Netzwerk und für die SAT-Leitungen liegen eigene Leerrohre bis zur Dose.

von der Planung bis zum Einzug, der Schaltschrank
Der Schaltschrank während der Bauphase. WLAN war bereits im Rohbau an Board. Auf Dokumentation wurde auch Wert gelegt.

Der Schaltschrank

Der Schaltschrank wurde nach den Wünschen des Bauherrn angeschafft. Der Elektriker hat die Zähler, die FI’s und die Automaten gesetzt, danach übernahm der Bauherr. Dominik hat genug Zeit gehabt den Schrank zu planen. Die einzelnen Komponenten logisch anzuordnen und sich die Leitungen zu überlegen. Alle NYM Leitungen, aus dem Haus, enden im Schaltschrank auf Reihenklemmen. Von dort aus geht es dann auf einen Aktor. Neutralleiter (N) und Schutzleiter (PE) gehen von den Reihenklemmen direkt an den Aktoren vorbei.

Der Elektriker, der immer wieder auf die Baustelle kam, hat alles begutachtet und für gut befunden.

Obwohl die Familie mit Architekten und Bauunternehmer gebaut hat, wurde es am Ende doch ein wenig stressig, so dass Dominik durchaus auch an Feiertagen oder sonntags einige Leitungen durchs Haus gezogen, oder den Schaltschrank verkabelt hat.

Wife/Woman  Accaptance Factor (WAF) von KNX

Ein nicht zu unterschätzendes Detail bei der Planung von KNX ist der WAF. Klar, wer allein baut, muss KNX nur mit sich und seinem Banker ausmachen. Wer den Bau aus der Portokasse zahlt, hat es noch einfacher. Da das Budget allerdings schon knapp war,  war hier gar keine große Debatte nötig.  Sie haben die Kosten auf Material Ebene gezählt und dann entschieden. Da Dominik auch bei der konventionellen Installation die Leitungen selbst verlegt hätte, spielten Lohnkosten eine untergeordnete Rolle. Hier mal der Vergleich, den die beiden angestellt haben. Alles nur „ungefähr“ Preise.

  • 15 Rollläden/Markisen mussten gesteuert werden:
    • Konventionell: Ein Schalter mit Zeitsteuerung kostet ca. 50 Euro, macht 750 Euro.
    • KNX: Zwei 8-Fach Rollladenaktoren ca. 500 Euro
  • Licht
    • Konventionell: ca. 22 Lichtschalter, macht (bei 20 Euro pro Stück): 440 Euro
    • KNX:
      • 14 Mal KNX 4-Fach MDT Glastaster mit Temperatursensor: 1550 Euro
      • 3 Präsenzmelder von MDT: 400 Euro
      • KNX: 3 12-Fach Schaltaktoren ca. 500 Euro
  • Steckdosen
    • KNX: 3 12-Fach Schaltaktoren mit Strommessung 600 Euro
  • Heizung
    • Konventionell: 11 Raumtemperaturregler, macht ca. 770 Euro
    • KNX: Zwei Heizungsaktoren 250 Euro
  • Sonstiges
    • Konventionel: weniger Kabel
    • KNX: Spannungsversorgung, Interface (+300 Euro) und mehr Kabel

Unterm Strich:

  • Gesamtkosten für das Material konventionell: 1960 Euro
  • Gesamtkosten Material KNX: 4100 Euro

Ach ja, bei konventioneller Elektrik fehlen die Bewegungsmelder, da die Familie nachts, wenn alle schlafen, keine Flurbeleuchtung haben möchte und auch „Dauerlicht“ möglich sein soll. Mit KNX ganz einfach.

KNX hat die Familie also etwas über 2000 Euro gekostet. Das fällt im gesamten Budget nicht auf. Ja, sie haben damals die ganzen Leitungen und den größeren Schaltschrank außer Acht gelassen. Aber mal ehrlich, auch wenn es 3000 Euro Unterschied ist. Das ist nicht die Welt. Die Steckdosen tauchen hier nicht auf, weil die sowieso angeschafft werden mussten, egal wie gebaut wird. Die Gesamtkosten für die Elektroinstallation mit Steckdosen, Leitungen und Elektriker wagen irgendwo bei 12.000 Euro. Dazu kommen dann die unzähligen Stunden von Dominik, insgesamt ca. 600 – 800 Stunden Arbeitszeit, die in die Baustelle und die Vorbereitung geflossen sind.

Dominik konnte natürlich nur so rechnen, da er so viel in Eigenleitung gemacht und der Elektriker mitgespielt hat. Kämmen jetzt noch die Kosten für die Verlegung der Leitungen hinzu, zum Beispiel wenn die Familie mit einem Generalunternehmer gebaut hätte, wäre die Rechnung ganz anders ausgefallen.

Fazit

Heute wohnt die Familie seit 4 Jahren in dem Häuschen und fühlt sich super wohl. Der Bauherr hat inzwischen bei den Gruppenadressen die Namen von „Kind 2“ auf „Natalie“ ausgetauscht. Auch wenn das ETS-Projekt damit fest auf die Familie personalisiert ist. Es gibt aktuell sowieso nur einen, der in der ETS für das Haus unterwegs ist. Einen Ausfall gab es noch nicht. Dominik wechselt fröhlich seine Home Server und bloggt regelmäßig über seine Erfahrungen.

Nachdem die Frau sich daran gewöhnt hat, und die Vorzüge kennen gelernt hat sind sich beide einig: Sie würden das nächste Haus wieder mit KNX bauen. Es ist wie eine Klimaanlage im Auto. Wenn man sich an den Comfort gewöhnt hat, möchte man ihn nicht mehr missen.

Viel Spaß mit KNX,
Damian

Ein Gedanke zu “Unser Smart Home | Von der Planung bis zum Einzug

  1. Smarthome habt ihr super erklärt, ich finde es gar nicht so einfach die richtigen Anbieter zu finden und das ganze System zu planen. Vielen Dank für Eure Informationen, die sind für mich sehr nützlich.
    Gruß
    Manuel

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