KNX Beschattung – Unsere Entwicklung der letzten Jahre

Geschätzte Lesezeit: 6 min
KNX Beschattung

Sobald die Rollläden an dem KNX Aktor hängen und die Sonne mal ordentlich raus kommt wollen alle eine automatische KNX Beschattung. „Nichts leichter als das“ habe ich gedacht. Die MDT Wetterstation auf dem Dach kann das doch aus dem Stand. Ja, so began dann der steinige Weg zum WAF-100. Den vollen Wife Akzeptanz Factor habe ich bis heute nicht erreicht, allerdings ist das nicht mehr weit. Lies mal und schau ob du auch einige Ideen für dein Zuhause findest.

KNX Beschattung – die Anfänge

Ich fange ganz einfach an. In der MDT Wetterstation SCN-WS3HW.01 kannst du sagen „Beschattung an“ und dann die einzelnen Werte und Zeiten zuweisen. Wie lange soll die Sonne mit welcher Stärke auf eine Seite des Hauses scheinen, bis die Rolläden herunter fahren?

Das gleiche anders herum: Wie lange sollen die Rolläden warten bis sie wieder hoch fahren und wie ist die LUX Intensität der Sonne für das Signal „Beschattung nicht nötig“?

Dann die Gruppenadressen zuordnen und fertig. Voila, nächstes Projekt ich komme. Da wusste ich ja noch nicht, dass dieses Projekt über mehrere Jahre gehen wird.

LUX Schwellwert einstellen

Die erste Hürde waren die LUX Einstellungen für die Lichtstärke. Unser Haus steht ziemlich frei. Wir haben also schon von morgens die volle Sonne auf den Fenstern. Es muss also schnellstmöglich beschattet werden. Ich habe die LUX Werte immer weiter herunter gefahren. So lange bis die Beschattung bei den ersten Sonnenstrahlen reagiert hat. Das war morgens dann super. Die Kinderzimmer, die nach Osten hinaus gehen blieben schön kühl. Vorher waren sie immer schon warm, bevor die Beschattung überhaupt los ging. Das gleiche nach Süden. Da, das Wohnzimmer direkt nach Süden ausgerichtet ist, wollten wir auch hier früh beschatten. Irgendwann hatte ich aber Einstellungen gefunden, die morgens super funktioniert haben. Kurze Wartezeiten (ca. 15- 20 Minuten) und niedrige Schwellwerte. Alles super. Doch dann kamen die Wolken…

KNX Beschattung - Die Helligkeitswerte
Prinzipiell ist die Parametrierung kein Hexenwerk. Die Herausforderung ist, die richtigen Werte zu finden.

Nicht immer Beschatten, nur auf Befehl.

In dieser Einstellung sind nämlich Tage an denen die Sonne unregelmäßig durch die Wolken verdeckt wird ein riesen Aufwand für die Rolläden. Gefühlt sind die super nervös und fahren andauernd hoch und runter. Außerdem ist der Mensch ein komisches Wesen. Nach der dritten oder vierten Fahrt hast du nämlich den Eindruck, die Rolläden würden immer exact kontra intuitiv fahren. Also hoch wenn die Sonne scheint und runter wenn die sie hinter den Wolken verschwindet. Ein mega Spaß und schöne Diskussionen wenn die Frau eher die Ruhe genießen möchte. Also weiter optimiert. Eigentlich ist es aber an solchen Tagen auch nicht so warm im Haus. Egal wie die Temperatur außen ist, wir bräuchten eigentlich fast keine Beschattung. Da kam dann die manuelle Sperre. Also eine Taste auf einem Glastaster im Wohnzimmer, die die Beschattung abschaltet. Super gut. So haben wir dann einige Tage überbrücken können. Da ich wollte, das mit dem Abschalten der Beschattung direkt die Rolläden hoch fahren wurde eine entsprechende Regel eingebaut.

Wenn der Taster "Beschattung Aus" betätigt wird, 
bitte alle Rolläden, 
   die vorher durch die Beschattung gefahren wurden, 
auf 0% fahren.

Wie ich erkenne ob die Rolläden durch die Beschattung gefahren wurden? Ganz einfach, wir fahren die nicht ganz zu, nur auf 75%. Ganz zu würde bedeuten, wir müssten Licht ein schalten. Das wollen wir nicht. Die Wahrscheinlichkeit, die 75% manuell zu treffen ist so gering, das nehme ich in kauf.

Das brachte mich auf eine Idee: Wenn die Rollos beim Abschalten hoch fahren, könnten die doch beim Einschalten der KNX Beschattung runter fahren. Aber nur die Seite, an der die Sonne stark genug ist. Schwupps war die nächste Regel geboren:

Wenn der Taster "Beschattung Ein" betätigt wird, 
   gehe alle drei Seiten durch, 
      und falls die Sonne über einem bestimmten Wert ist, 
         fahre Rolläden auf der Seite auf 75%. 

Soweit so gut, der WAF war wieder einmal etwas gestiegen, dann kam die nächste Herausforderung: Unsere „Wir sind dann mal weg Taste“.

KNX Beschattung und die Abwesenheitstaste.

Ja, wir haben noch die ganz einfache „wir sind dann mal weg Taste“. Die drückt der jenige, der als letzter das Haus verlässt. Dann fahren alle Rolläden im Erdgeschoss runter und die Kamera geht in den „Nachricht aufs Handy senden bei Bewegung“ Modus. Soweit so gut. Wenn also die Beschattung aktiv war, dann wurden die Rolläden geschlossen. Wenn wir wieder kamen, fuhren die aber wieder komplett auf. Da die Wetterstation aber die ganze Zeit normal funktioniert hat um die Fenster im OG zu steuern, kam nie wieder ein „Beschattung einschalten“ Signal. Also wurden die Rolladenaktoren auf „gleiche Position wie vor dem Sperren anfahren“ gestellt.

KNX Beschattung - die Parametrierung der Wetterstation
Jetzt nur noch der Wetterstation sagen, wie sie die Rolläden steuern soll.

Das ging schon mal sehr lange gut. Besonders wenn wir nur kurz weg sind, zum Beispiel die Kleine aus dem Kindergarten holen ist es toll. Du verlässt das Haus und dir Rolläden fahren zu. Du kommst wieder und die Rolläden fahren wieder auf die Beschattung. Ein Traum. Allerdings noch nicht perfekt. Denn wenn wir mittags weg gefahren sind, und abends heim kamen, so, dass eine Beschattung nicht mehr nötig war, fuhren die Rolläden auch auf „Beschattungs-Position“. Na denn, die nächste Regel.

Wenn wir wieder kommen, 
   dann bitte nur die Rolläden auf 75% fahren, 
   die eine Beschattung brauchen (also Sonne über Schwellwert).

Damit konnte ich dann auch super unsere elektrische Terassenüberdachung steuern (das ist so eine Markise direkt über der Überdachung):

  • keiner da -> Überdachung einfahren, Beschattung nicht notwendig, da Rolläden unten sind.
  • wir kommen wieder -> wenn Sonne scheint, Überdachung raus, ansonsten drin bleiben. Tipp: Bei Regen ist die Sonne unter dem Schwellwert 😉

Wunderbar! Langsam fühlt sich das Haus richtig smart an.

Einzelne Eingriffe, sind dann doch nötig.

Wie oben erwähnt, haben wir eine kleine Tochter. Die hat früher Mittagsschlaf im Büro gemacht. Das ist im Erdgeschoss nach Osten raus. Wir haben also die Tochter mit samt Bettchen in den Raum gestellt und den Rolladen geschlossen. Plötzlich hören wir die kleine, gehen in den Raum und das Rollo ist oben. Was war passiert? Die Beschattung hat beschlossen: „Sonne weg, also alle Rollos im Osten hoch“. Das ist ja löblich, aber doch nicht da wo die Prinzessin schläft. Also ist jetzt in den strategisch wichtigen Räumen die Taste für Licht doppelt belegt. Bei einem langen Tastendruck, wird das Rollo auf 100% gesperrt. Findet unser Großer auch gut, wenn er mal länger schlafen möchte 😉 Ach ja, natürlich wird beim entsperren der Schwellwert überprüft und gegeben falls nur bis auf 75% gefahren.

Jetzt nur noch die Feinheiten

Wir haben einen Terrassen-Ausgang aus der Küche nach Süden raus. Diese Rollade wurde bis hierher ganz normal mit der Markise gefahren. Dann sagte meine Frau. „Bis 11.30 Uhr beschattet doch die Markise das Fenster mit. Erst danach sollte das Rollo runter fahren.“ Kein Problem, ich habe es zwar vom Winkel der Sonne abhängig gemacht, aber das spielt ja keine Rolle. Zusammen mit den vorherigen Regeln ist für dieses Fenster etwas wunderschönes entstanden. Zuerst wurde die Rollade aus der standard Beschattung raus genommen, denn jetzt wird es etwas intelligenter:

Wenn es nach 11.30 Uhr 
   und die Wetterstation sagt "Beschattung an", 
      dann bitte 75% anfahren. 
   oder die Beschattung wurde entsperrt 
      und der Schwellwert ist überschritten, 
         dann 75% anfahren
   oder wir sind heim gekommen und Schwellwert überschritten, 
      dann 75% anfahren
wenn Rollade auf 75% steht und die Sonne ist weg, 
   also ein Signal von der Wetterstation oder von der Sperre, 
      dann 0% anfahren. 

So, auch das fühlt sich super an.

Wie läuft das denn jetzt so?

Ich beschreibe hier mal einen normalen sonnigen Tag:

  • morgens fahren die Rolläden im Osten auf Beschattung.
  • stehen die Kinder nach der Sonne auf (Normalfall am Wochenende) und entsperren die Rollos, fahren diese nur um 25% hoch.
  • gegen 10 Uhr oder so fährt die Markise und das Gästezimmer Fenster im OG raus. Küche wird von der Markise mit beschattet.
  • gegen 11.30 Uhr, wenn die Sonne einen Winkel erreicht hat, bei dem die Küche sich erwärmen würde, fährt das entsprechende Rollo herunter.
  • verlassen wir das Haus, fahren die Rollos im EG auf 100% zu. Das OG funktioniert wie gewohnt mit Beschattung.
  • kommen wir wieder und die Sonne scheint, wird beschattet, falls nicht fahren die Rolläden komplett auf.
  • Irgendwann fährt Osten rauf und einige Zeit später fährt dann Westen runter.

Das ganze dient dazu das Haus kühl zu halten und es funktioniert auch wunderbar. Zusammen mit der Lüftungsanlage, die ihre Zuluft über einen Erdwärmetauscher zieht haben wir nie das Gefühl es ist zu warm im Haus.

Fazit

Eine KNX Beschattung ist nicht mal eben so eingeschaltet. Das ist in meinen Augen etwas sehr individuelles. Es ist allerdings ein großer Gewinn an Komfort wenn es möglichst effizient, aber unauffällig funktioniert. In diesem Artikel habe ich beschrieben wie lange es gedauert hat, bis wir mit unserer Beschattung zufrieden waren. Der Großteil der Steuerung ist durch Regeln in openHAB2 abgebildet, das hat den Vorteil, das es sehr fein anpassbar ist.

Lies mal was du sonst noch mit den Rolläden anstellen kannst: Haus Automatisierung | Wozu überhaupt? Die Rollläden

Oder schreib mir mal, was du so mit deiner KNX Beschattung anstellst, oder ob es direkt von Anfang an funktioniert hat.

Viel Spaß mit KNX,
Damian

Bild von freie Bilder

4 Gedanken zu “KNX Beschattung – Unsere Entwicklung der letzten Jahre

  1. Ich hatte ursprünglich versucht, mit der Wetterstation die Beschattung „schlau“ zu machen. Es gibt da durchaus die Möglichkeiten, abhängig von Helligkeit, Wind, Temperatur, etc. und entsprechenden Schwellwerten die Jalousien zu steuern. Schnell stieß ich hier aber an die Grenze, weshalb ich nun eine recht komplexe State Machine bzw. Logikabfolge via SmarthomeNG im Einsatz habe.

    Alleine das Hochfahren bei zu starkem Wind ist imho ohne Einbezug der Zeit sehr mühsam. Bei einem starken Windstoß fährt die Jalousie „sofort“ hoch. Wenn die Windgeschwindigkeit wieder unter einen bestimmten Schwellwert fährt, ist die Sicherung aufgehoben. Ich will aber trotzdem nicht, dass die Jalousie gleich wieder runter fährt. Denn der nächste Windstoß kommt bestimmt. Und das Auf und Ab nervt einfach am meisten. Daher kommt man nicht herum, z.B. erst wenn der Wind für X Minuten unter Y km/h ist, ans Runterfahren zu denken. Unabhängig davon bleibt die Jalousie immer fix Z Minuten oben, sobald sie wegen Wind hoch gefahren ist.

    Und bei der Sonne ist dann natürlich noch viel komplexer. Bei uns läuft alles per se automatisiert. Man kann allerdings temporär auf Handbetrieb umstellen und die Automatik überschreiben. Die Dauer dieser Pause lässt sich über die Visu einstellen und zB über einen Doppelklick am Taster wieder beenden. Am Abend allerdings möchte ich, dass die Screens so oder so zufahren, auch wenn sie zuvor manuell betätigt wurden und schon wird das Ganze recht komplex. Was die reine Sonnensteuerung anlangt baue ich auch Sonnenstand, Helligkeit, Temperatur mit Hysterese und verschiedenen Zeitangaben (z.B. erst wenn Helligkeit für X Minuten unter Wert Y ist, darf die Jalousie rauf, also ähnlich zum Windverhalten).

    1. Hallo!
      Danke für deinen ausführlichen Kommentar.
      Ja, das habe ich auch schon bemerkt. Mit den eingebauten Funktionen der Komponenten kommst du zwar vom Fleck, aber nicht so wirklich weit. Auf der anderen Seite ist eine Beschattung etwas sehr individuelles. An einem Ende hast du ein Bürogebäude, da brauchst du nicht so viele Extras. Am anderen Ende dann das Einfamilienhaus mit völlig unterschiedlichen Gegebenheiten.
      Finde das auch spannend, dass du smarthomeNG einsetzt. Habe lange smarthome.py eingesetzt. Das ist ja der Vorläufer von smarthomeNG. Bin dann aber auf openHAB2 umgestiegen weil es mir „Erwachsener“ wirkte. smarthomeNG habe ich nie ausprobiert. Bist du zufrieden?

      Viele Grüße,
      Damian

  2. Zu allem Überfluss habe ich noch den Türkontakt der Terassentür mit eingebunden. Wenn Terassentür offen, Beschattung nicht herunter fahren. Es ist nämlich verdammt ärgerlich wenn man auf der Terasse sitzt und weder Hausschlüssel noch Telefon dabei hat und dann nicht mehr rein kommt. Ich beobachte das manchmal bei meinen Nachbarn ohne smarthome wie sie um 22:00 Uhr wie von der Tarantel gestochen aufspringen und unter dem zufahrenden Rollo durchhechten 😅. Für die Rasenbewässerung ist das auch super dann wird die Frau beim Sonnen nich nass. Das steigert den WAF ungemein.

    Gruß

    Sascha

    1. Hej Sascha, wir verstehen uns!
      Leider haben wir nur so Kontakte die unterbrochen sind, wenn die Tür auf steht. Die reagieren nicht auf den Türgriff, das ist ärgerlich, da wir meistens die Tür zu ziehen, wenn wir auf der Terrasse sind.
      Das mit der Bewässerung finde ich gut, würde bei uns nur nicht viel Sinn machen. Um 4 Uhr morgens lag meine Frau noch nie in der Sonne 😉

      Viele Grüße,
      Damian

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