“Fenster auf” Erkennung im KNX-Smarthome

Fenster auf erkennung in einem KNX smarthome

“Sind die Fenster zu?” Das ist bei uns eine typische Frage, beim verlassen des Hauses. Oder auch vor dem schlafen gehen. Dann bist du dir nicht sicher und siehst noch mal nach. Nur um zu sehen, dass doch alles zu ist. Damit sowas nicht mehr passiert erkennt ein KNX-Smarthome welche Fenster auf sind und sagt dir Bescheid. Wie eine Fenster-auf Erkennung funktioniert, Was du dafür brauchst, wie du das verkabelst und wozu das Ganze, davon handelt dieser Artikel.

Wie erkennt das Smarthome ein offenes Fenster?

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Alle die ich kenne, haben mit einem Reedkontakt und einem Magneten zu tun. Ein Reedkontakt ist nämlich ein Schalter der schaltet wenn ein Magnet in der Nähe ist. Die einfachste Lösung ist also: den Magneten am Flügel des Fensters befestigen und den Reedkontakt an dem Rahmen. Die Lage ist jedoch entscheidend. Stehst du von innen vor dem Fenster dann sollte der Reedkontakt immer oben auf der Seite vom Griff angebracht sein. So öffnet der Schalter, egal ob das Fenster gekippt wird, oder etwas offen steht.

Der Nachteil hier ist, dass das Smarthome nicht weiß ob das Fenster gekippt ist, oder ganz offen steht. Also könntest du noch einen Kontakt unten anbringen. Sind beide offen, steht das Fenster auf. Ist nur der obere offen, ist das Fenster gekippt. Du hast also eine Information mehr.

Es geht noch intelligenter

Jetzt wirst du merken, das du noch nicht am Ende des Weges angekommen bist. Wenn nämlich die Terrassentür zu gezogen wird, der Griff aber “Auf” steht, wird das Fenster als geschlossen angezeigt. Das möchtest du vielleicht nicht. Auch hierfür gibt es eine Lösung. Bestimmt gibt es von dem Hersteller deiner Beschläge einen Einsatz, bei dem einer der Noppen zum verschließen, einen Magneten enthält. Du tauschst dann einen Teil von dem Metallbeschlag der um den Fensterflügel herumläuft gegen einen anderen. Der Noppen oben auf der Griff-Seite enthält dann einen Magneten. Bewegst du den Griff, so bewegt sich der Noppen und der Schalter öffnet. Bei der Lösung siehst du auch wenn nur der Griff “Auf” steht und der Flügel angelehnt ist.

Als letzte Möglichkeit soll hier noch der Adapter für einen Fenstergriff erwähnt werden. Also ein kleiner Adapter, der zwischen Fensterrahmen und Griff eingebaut wird und per Funk die Griffstellung meldet. Sows ist mir allerdings nicht für KNX bekannt. Also müsstest du das Funksignal irgendwie auf den KNX-Bus legen, wenn du es weiter verarbeiten möchtest. Allerdings eignet sich diese Lösung prima zum nachrüsten, wenn du keine Leitung mehr zum Fenster ziehen kannst.

Eine weitere Möglichkeit ist die Erkennung über einen Temperaturabfall am Heizkörper Thermostat. Das funktioniert natürlich nur im Winter, wenn es kalt draußen ist. Das könnte KNX auch, wenn es die Temperatur im Raum kennt. Auf dem siio Blog gibt es dazu einen Artikel: Netatmo Heizkörperthermostate erhalten Fenster-Offen-Erkennung

Ich empfehle dir also zumindest die Leitung für die Kontakte bis zum Fenster zu ziehen. Vielleicht kannst du später die Kontakte selber nachrüsten, oder nachrüsten lassen. Ich habe durch meinem Instagram Beitrag erfahren, dass so ein Kontakt beim Fenster-Bauer durchaus über 100 Euro kosten kann. Vielleicht interessiert dich hierzu der Artikel: KNX Verkabelung im Neubau | Fertig, oder mach ich später?

Wie kommt das Signal der Fenster auf Erkennung zum Home-Server

Weiter geht es mit der anderen Seite der Leitung vom Reedkontakt. Im Schaltschrank brauchst du einen potentialfreien Binäreingang mit genug Kanälen für alle Fensterflügel. Wir haben in unserem Haus alle Fenster ohne Mittelstrebe. Du musst also erst einen Flügel öffnen um dann den anderen zu öffnen. Deshalb reicht bei uns ein Kontakt pro Fenster. Natürlich kannst du auch mehrere Kontakte in Reihe schalten. Dann weißt du nicht welches Fenster offen ist. Nur das mindestens eins offen ist.

“Fenster auf Erkennung” Zentral oder dezentral?

Es tut mir wirklich leid, aber ich sehe in einem Neubau keine Vorteile durch eine dezentrale Positionierung der Binäreingänge. Ich sehe allerdings einige Nachteile.

  • Der 16-fach Binäreingang von MDT kostet um die 220 Euro, das macht 13,75 Euro pro Kanal. Ein 2-fach Binäreingang für unterputz kostet ca. 50 Euro, das macht 25 pro Kanal (das wären bei 16 Kanälen 400 Euro)
  • Du hast mehr Komponenten die kaputt gehen können. Die sind dann unterputz oder im Rollladenkasten, da kommst du nicht so einfach dran.
  • Mehr Komponenten: mehr Strom. Ach ja und die ETS-Demo ist auf 20 Komponenten begrenzt
  • Ich mache im Notfall meinen Schaltschrank auf und sehe an den LED’s ob die Verkabelung bis hierher funktioniert. Wie machst du das dezentral?
  • Weniger Kabel? Hej, du musst eh die KNX-Leitung zu den Eingängen ziehen. Und Strom ziehst du eh Sternförmig zu den Rollläden, da machst du dir Sorgen um den zusätzlichen Klingeldraht?

Bitte, bitte, schreib mir in die Kommentare welche Vorteile ich übersehe. Das würde mich echt interessieren. OK, bei vorhandener Bebauung und fehlender Möglichkeit zum Stippen ziehen sehe ich das ein. Da würde ich allerdings auch auf Funk setzten.

Du verkabelst also alle Reedkontakte an den Fenstern sternförmig vom Schaltschrank mit dem Binäreingang. Der Binäreingang überwacht dann die Reedkontakte und die überwachen deine Fenster.

Warum das Ganze?

Mit dieser Überwachung kannst du alles mögliche anstellen.

  • Piep Ton, wenn beim Verlassen des Hauses ein Fenster offen steht.
  • Rote LED am Glastaster im Schlafzimmer, wenn irgendwo ein Fenster offen steht.
  • Rollladen im Zustand “offen” blockieren, wenn die Terrassentür offen steht. Dadurch fahren sie nicht runter und schließen dich aus.
  • Lüftungsalarm, wenn ein Fenster für länger als 15 Minuten offen steht.
  • Eine Nachricht auf dein Telefon, wenn du nicht zu hause bist und ein Fenster geöffnet wird.

Es ist allerdings keine “Alarmanlage”. Da alle Komponenten selbst angelegt sind und KNX nicht als VDO Alarmanlage zertifiziert ist. Wenn dich interessiert warum, lies den Artikel: Planung | KNX als Alarmanlage?

Warum ich hier die ganze Zeit vom “potentialfreien” Binäreingang schreibe? Nun es gibt auch andere: KNX Binäreingang | Potentialfrei, 24V oder 230V?

Fazit

Du hast also gelernt, dass du nicht immer im Haus herum laufen musst, um zu prüfen ob die Fenster und Terrassentüren geschlossen sind. Ein paar kleine Schalterchen und eine KNX-Komponente und du wirst benachrichtigt, falls etwas offen steht. Das geht sogar per Nachricht aufs Handy. Natürlich musst du die Fenster auf Erkennung nicht selber Verkabeln, wenn du nicht möchtest. Dieser Artikel hat dir allerdings bei den Gesprächen mit deinem Fensterbauer und deinem Elektriker geholfen, die richtigen Fragen zu stellen.

Was stellst du eigentlich mit der “Fenster-Auf” Erkennung später an?

Viel Spaß mit KNX!

PS: Das Beitragsbild ist übrigens von Gaby Stein auf Pixabay

2 Gedanken zu ““Fenster auf” Erkennung im KNX-Smarthome

  1. Habe mich für den ABB JRA/S6.230.3.1 Aktor entschieden da er 6 x Jalousiekanäle und 12 x Binäreingänge besitzt (19€ / Kanal ohne die Jalousiekanäle). Vom Funktionsumfang als reinen Jalousieaktor finde ich ihn neben meinen beiden ABB JRA/S4.230.2.1 etwas schwächer, aber ausschlaggebend war hier einfach die Kombination aus beidem zudem ein deutlicher Platzgewinn im eh schon sehr großen Schaltschrank.

    An jedem Fenster sitzen 2 Reedkontakte die über eine Klemmdose neben dem Fenster in den Schaltschrank geleitet werden. In Reihe wollte ich sie nicht setzen.

    Umsetzen möchte ich damit die Frostschutzfunktion für den Winter (obwohl wir wegen der KWL nicht lüften müssten) sowie eine Alarmanlage in Kombination mit den Gira KNX Rauchwarnmeldern.

    1. Sehr interessante Komponente. Besonders wenn es eng wird im Schaltschrank bietet sich sowas an.
      Danke für die Info!
      Grüße,
      Damian

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